Gotthard – Basistunnel: Eröffnung des Jahrhundertprojekts

Nur noch wenige Tage bis zur Eröffnung des Gotthard Basistunnels. Egal welche Zeitung man aufschlägt, von der Lokalzeitung bis zum Handelsblatt kündigen Berichte das Großereignis an: Der mit 57 km längste und mit teilweise bis zu 2.300 Meter tiefste Eisenbahntunnel der Welt wird am 01. Juni eröffnet und am 04. und 05.Juni wird gefeiert. Selbst Angela Merkel lässt es sich nicht nehmen am 01.06. dabei zu sein, auch wenn sie sich sonst ja nicht gerade für Eisenbahninteressen und eine sinnvolle Verkehrspolitik stark macht. Ebenfalls Francois Hollande und Martin Herrenknecht gehören ebenfalls zum Prominentenpublikum. Herrenknecht bohrte sich mit seinen beiden großen Tunnelbohrmaschinen Heidi und Sissi durch den Fels hindurch.

Bahnreisen Sutter feiert mit einigen Bahnfreunden und Bahnfreundinnen am 04. und 05. Juni auch mit am Gotthard. Die Reisegruppe gehört am Feierwochenende zu den ersten, die durch den 57 km langen Tunnel sausen dürfen.

Verkehrspolitik: Mut oder Mutlos

Etwas angespannt und nervös werde ich auch so langsam. 17 Jahre wurde gebaut und seit fast ebenso vielen Jahren besuche ich die Tunnelbaustellen der Alp Transit Projekte am Lötschberg und am Gotthard. Nun hat es die Schweiz fast geschafft und die Flachbahn durch die Alpen kommt ein großes Stück näher ans Ziel. Auch wenn wir noch bis 2020 warten müssen, bis auch der Anschlusstunnel am Ceneri zur Fahrt freigegeben wird. Außerdem müssen noch die Zufahrtsstrecken in der Schweiz, aber vor allem auch in Deutschland und Italien gebaut und fertiggestellt werden bis der Güterverkehr dann leicht und locker von Nord nach Süd und zurück rollen kann. Denn eines scheint klar: Auch wenn man gegen den vielen Transitverkehr ist und der berühmte Erdbeerjoghurt nicht unbedingt Hunderte von Kilometern hinter sich bringen muss bevor er zum Verbraucher gelangt, auch wenn schnellerer Verkehr immer auch noch mehr Verkehr anzieht, ist es besser diesen auf der Schiene anstelle auf der Straße zu transportieren.

Alternative Verkehrspolitik zum An- und Wegschauen

Vielleicht wäre es für Angela Merkel ja mal eine ganz neue Erfahrung mit dem Zug vom Flughafen Zürich nach Erstfeld zu reisen. Um alleine auf dem kurzen Weg zu sehen, was alles möglich ist und nicht nur mit dem Heli zur Eröffnung zu fliegen. Am besten unser Verkehrsminister Dobrindt gleich mit und Sparmeister Schäuble auch, damit er sieht, dass Mehrausgaben für die Schiene sich um ein Vielfaches mehr lohnen als die gleiche Summe an Ausgaben für die Straße. Und überhaupt Ausgaben in die Infrastruktur dringend nötig sind, auch wenn sie nicht ins vordergründige Sparkonzept passen. Doch mit einem abseits der Magistralen teilweise maroden Straßen- und Schienennetz spart man zwar im Moment ein paar Euros, doch für die Zukunft ist das gerade auch für die steuereinbringende Wirtschaft, vom Kleinunternehmer bis z den Großkonzernen vernichtend.
Von politischer Seite hört man in Sachen Schienenverkehrspolitik ja oft, dass man das große Deutschland nicht mit der kleinen Schweiz vergleichen kann. Das stimmt vollkommen: Diese kleine Schweiz hat das große Alp Transit Projekt in die Gänge gebracht und nun den Gotthard mit 3 Jahren Verspätung eröffnet. Und die kleine Summe von alleine 11 Milliarden Schweizer Franken zusammengebracht um das längste Loch der Welt zu buddeln. Nein das kann man wirklich nicht mit Deutschland vergleichen.  Man muss ja nicht gleich an das Desaster um den Berliner Flughafen denken, um ins Grübeln zu kommen, ob die kleinen Wilhelm Tells der Schweiz nicht doch manchmal den größeren Unternehmergeist aufbringen als der große Nachbar mit manchmal mehr heißer Luft als heißer Leidenschaft in Sachen Unternehmertum.

 

Durchbruch: Es ist vollbarcht: Gotthard Basistunnel wird eröffnet, copyright Alp Transit AG

Durchbruch: Es ist vollbracht: Gotthard Basistunnel wird eröffnet, copyright Alp Transit AG

 

 

 

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