Die Jungfraubahnen sind schon immer etwas Besonderes gewesen. Der höchste Bahnhof Europas, die teuersten Bahntickets Europas, wenn man es pro Kilometer umrechnet und das bunteste Publikum aus der ganzen Welt auf einer Schmalspurbahn.

Swiss Pass: Toller Pass für fast alle Eisenbahnen der Schweiz

Es gibt für ausländische Touristen eine Schweizfahrkarte, den Swiss Pass, der auf fast allen Bahnen gültig ist. Auf fast allen, auf den Jungfraubahnen gilt er nur bis Wengen oder Grindelwald. Ab da zur Kleinen Scheidegg oder zum Jungfraujoch erhält man nur noch 25 % Ermäßigung, was einen Aufpreis zum Jungfraujoch und zurück von rund 140 € ausmacht. Und ab der nächsten Saison soll es laut Ankündigungen sogar noch teurer werden. Bei allen anderen wichtigen Touristenbahnen wie Gornergrat, Titlis, Kleines Matterhorn erhält man immerhin 50 % Ermäßigung.

Man sollte meinen, dass dann die Gäste auch entsprechend behandelt werden.

Zugbegleiterin als Rausschmeißerin. Erst Asiatische Gäste…

Heute morgen, 14.09.2017 fuhr ich im Regionalzug R 349 von Lauterbrunnen auf die Kleine Scheidegg. Zwischen Lauterbrunnen und Wengen kam die Zugbegleiterin Frau B. Müller durch. Tickets bitte, Tickets please. Ein paar Überseetouristen zeigten ihren Swiss Pass. “Wie weit möchten sie fahren?”, lautet die Frage der Zugbegleiterin. Bis zur Kleinen Scheidegg wollte die asiatische Gruppe. Get off the Train in Wengen, your ticket is not valid. Mit etwas verstörtem Blick schauten diese die Zugbegleitern an. Sie wollten den Aufpreis auch direkt bezahlen. Nein, das geht nicht, nur noch “Get off the Train in Wengen”. Und kaufen sie das Ticket am Schalter. Dies machte sie noch mit ein paar anderen Fahrgästen.

… dann ich…

Danach kam sie zu mir. Ich bin um 04:30 Uhr aufgestanden um einen Geschäftstermin auf der Kleinen Scheidegg wahr zu nehmen. Ich hatte nur eine halbe Stunde Zeit, da ich am Nachmittag meine Reisegruppe in Montreux in Empfang nehmen musste. Ich hatte auch eine Fahrkarte für die ich einen Aufpreis bezahlen musste und konnte beim besten Willen kein Tickets unterwegs kaufen. Das erklärte ich ihr auch, doch auch für mich hieß es, raus aus dem Zug. Ich versuchte in ruhiger Sprache Frau B. Müller, der Zugbegleiterin zu erklären, dass das nicht geht und es auch kein Fahrzeug ohne Ticketverkauf ist. Zwischen Wengen und der Scheidegg kann man normalerweise Fahrkarten ohne Probleme nachkaufen. Ich versuchte ihr auch zu erklären, dass ich nicht zum Spaß hier bin, sondern wegen einem Geschäftstermin u.a. um neue Kunden den Jungfraubahnen zu bringen. Es störte sie überhaupt nicht und ich musste aussteigen. Als ich am Reisezentrum in Wengen vorbeikam, stand eine lange Schlange von Leuten davor um ein Ticket zu kaufen. Andere Fahrgäste diskutierten davor, was sie machen sollen. Meinen Termin konnte ich da vergessen.

Es geht auch anders!

Auf der Wengernalpbahn verkehren keine langen Züge, sondern mehrere Züge hintereinander. So zum Glück auch heute morgen. Ich fragte die Zugbegleiterin im direkt nachfolgenden Zug, ob ich nicht ausnahmsweise eine Fahrkarte bei ihr kaufen könnte, da ich dringend zur Scheidegg hinauf musste. Sie verstand mich zunächst nicht, warum ausnahmsweise? Na klar können sie einen Fahrschein kaufen, steigen sie einfach ein, ich komme zu ihnen.
Ohne Probleme bezahlte ich den Aufpreis, bedankte mich dreimal und fuhr hinauf.

Freundliche Zugbegleiterinnen

Auf der Talfahrt eine halbe Stunde später fragte ich diese Zugbegleiterin, ob es neue Regeln gäbe, dass man keine Fahrscheine mehr im Zug kaufen könnte. Auch sie schaute mich verdutzt an und sagte: Selbstverständlich können sie ein Ticket kaufen, sogar ohne Aufpreis. Als ich ihr die Story von 1 Stunde vorher erzählte, verstand sie ihre Kollegin nicht.

Was die anderen Fahrgäste, die Frau B. Müller aus dem Zug warf gemacht hatten, weiß ich nicht. Nur soviel ist klar, Kundenservice sieht anders aus, vor allem bei diesen Fahrpreisen muss Kundeninteresse an 1. Stelle stehen. Dies ließ Frau B. Müller heute völlig vermissen.

Frau B. Müller

Übrigens: Warum ich immer Frau B. Müller schreibe? Sie verriet mir auf zweimaligen Nachfragen nicht, wie sie mit Vornamen hieß. Frau B. Müller hieß sie, sagte sie. Na dann:

Get off the Train Frau B. Müller

Jungfraubahnen: Service sieht anders aus. Ihr macht Werbung in den Zügen: Wir suchen motivierte Mitarbeiter im Zugbegleitdienst. Bitte versetzt eure Frau B. Müller an einen anderen Ort und lasst sie nicht auf viel bezahlende Touristen aus aller Welt los.

Gewinn

Gerade kam in der Presse, dass die Jungfraubahnen einen Halbjahresgewinn von 17 Mio Franken erzielt haben. Vor allem aufgrund des Anstieges der asiatischen Gäste.

 

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. P. Zubin

    Also Individualtouristen würde ich nicht mal auf die Idee kommen, nach Jungfraujoch zu fahren. Am einen wolkenarmen Tag ist die Chance praktisch gleich null, ans Ziel zu kommen. Meistens wird man nach tagelanger Reise erst kurz vor dem Ziel am Schalter dort informiert, dass schon seit morgen keine Fahrkarte mehr verkauft werden. Man muss dann trotzdem die gebuchte Hotels etc bezahlen – no refunding ist das Motto dort. Besser anderswo shöne Berge anschauen…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.