Locomore meldet Insolvenz an

Der private Fernzuganbieter Locomore musste gestern Insolvenz anmelden. Locomore fuhr seit Ende letzten Jahres zwischen Stuttgart und Berlin einen neuen Fernzug. Schöne, schicke Wagen, ein guter Service an Bord des Zuges ließen die Hoffnung steigen, dass sich hier vielleicht eine neue Zugmarke etabliert. Es wäre ihnen zu gönnen gewesen. Doch neue Ideen alleine machen noch keinen Fernzug aus.

Stuttgart – Berlin: Fernbusse

Hinterher ist man immer schlauer, warum genügend Menschen mit Locomore gefahren sind. Vielleicht tat auch die Strecke ihr übriges dazu. Und natürlich die Deutsche Bahn und die Fernbusse. Die Fernbusse haben der DB ja schon die preissensiblen Kunden abgejagt. Da kommt es auf den Geldbeutel und nicht auf die Geschwindigkeit an. Auch bei den Fernbussen gab es nach der anfänglichen Euphorie und der Goldgräberstimmung bald blanke Ernüchterung und es blieb fast nur noch der Fast-Monopolist Flixbus übrig. Doch hier fuhren Busunternehmer im Auftrag von Flixbus und Flixbus hatte keine Kosten für die Wartung der Busse und auch kein Risiko. Das ist bei einer Bahngesellschaft anders. Hier kann man sich nicht verlässlich Wagen und Personal anmieten, um einen Zug zu betreiben. Das ist das Teuere: Lok, Wagen in Schuss zu halten und gutes Personal zu finden.

Stuttgart – Berlin: Deutsche Bahn

Auf der Locomore-Strecke fährt natürlich auch die Deutsche Bahn. Ein ICE ist auf der Gesamtstrecke rund eine Stunde schneller, zwischen Frankfurt und Berlin ist es rund eine halbe Stunde. Locomore war also auch recht schnell unterwegs. Doch auch die DB hatte Probleme mit der Abwanderung der Fahrgäste zu den Fernbussen, die ja wesentlich länger unterwegs sind auf dieser Distanz. Darauf reagierte sie mit den Sparpreisen und besserte immer mehr nach. Mit höheren Kontingenten für die Niedrigpreistickets und kurzfristigen Kaufmöglichkeiten der Tickets (sogar noch am gleichen Tag) ging die Bahn in die Offensive um die Fernbuskunden wieder zurück zu gewinnen. Dabei kam sicher auch Locomore unter die Räder.

Zug – Strecke – Fahrplan

Mit nur einem Zug am Tag, der in Stuttgart sehr früh am Morgen abgefahren ist, ist es natürlich sehr schwierig viele Kunden auf den Locomore Zug zu bringen. Natürlich kann sich ein junges Bahnunternehmen auch nicht gleich 3 Zugpaare leisten. Doch darin liegt auch das Problem. Nur ein Zug bringt natürlich nicht viel Leute auf den Zug. Die dreimonatige Reduzierung der Züge gleich zu Beginn (Januar – April) auf nur noch 3 Tage in der Woche sorgte sicherlich dabei auch nicht für Kundengewinnung. So stolperte Locomore gleich zu Anfang dahin und der ein oder andere neu gewonnene Kunden war schon wieder weg. Günstige Preise alleine reichen nicht aus, um einen Zug am Laufen zu halten. Einen guten Monat Vollbetrieb dann bis heute und Locomore war finanziell am Ende. Wie geschrieben, hinterher ist man immer schlauer. Eine Insolvenzanmeldung kann ja auch noch zu einem guten Ende führen.

Streckenvarianten

Man muss sich auch über die Strecke Gedanken machen. Es gibt ein paar Diagonalen in Deutschland, wo die Bahn kein oder ein nicht zufriedenstellendes Angebot hat, gerade im Fernverkehr. Das war bei Stuttgart – Frankfurt – Berlin nicht der Fall, trotz der Zwischenhalte. Vielleicht wäre eine Zugstrecke sinnvoller, die eine Region ohne funktionierenden Fernverkehr einbezieht. Mir kommen dabei die Region Luxemburg – Saarbrücken – Trier – Koblenz in den Sinn, natürlich dann mit Weiterfahrt in eine Metropolregion (Ruhrgebiet, Frankfurt, Hamburg, Berlin, München). Oder die Ost-Westverbindung München – Freiburg – Basel. Auch hier gibt es nur ein direktes Zugpaar zu ungünstigen Fahrzeiten. Je nach Strecke könnte ein Zug sogar zweimal am Tag hin und her fahren, was wirtschaftlicher wäre.

Autoreisezug: 2 private Anbieter auf gleicher Strecke

Zunächst dachte ich es ist ein Versehen, oder die eine Firma hat sich umbenannt und mit einer anderen zusammen geschlossen. Aber es sieht so aus, dass ab heute zwei unterschiedliche private Bahngesellschaften die gleiche Strecke Hamburg – Lörrach als Autozug betreiben. Bahn Touristik Express  und train4you fahren nun an den gleichen Abenden über Nacht vom Norden in den Süden und zurück. Es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis eine der beiden Gesellschaften aufhört, oder sogar beide, da beide Unternehmen zu wenige Kunden haben. Solch ein wirtschaftlicher Blödsinn kann sich kein Unternehmen leisten, da ja für Kunden ohne PKW auch noch der ÖBB Nightjet zwischen Basel/Freiburg und Hamburg unterwegs ist. Keine Ahnung was die beiden Unternehmen umtreibt sich gegenseitig Konkurrenz zu machen anstatt zusammen zu arbeiten oder sich auf andere Strecken zu verlagern.

Eine private Bahngesellschaft kann in Deutschland Fernverkehr nur wirtschaftlich betreiben, wenn es auf Strecken unterwegs ist, wo nicht schon andere Unternehmen wie die DB einen funktionierenden Service anbieten. Mit einem Service und guter Zugqualität wie Locomore.