Ein Plädoyer für historische Fahrzeuge und die Umwelt

Da stehst Du draußen, bist vielleicht am Spazierengehen und von Weitem hörst Du einen langgezogenen Pfiff. Ein kurzes Innehalten, gleich einem Fuchs, der irgendwo Beute wittert und dann schnell zur nächsten Stelle, wo man auf das naheliegende Bahngleis sieht. Und schon siehst Du den grauen Dampf aufsteigen, überlegst vielleicht leicht grinsend, was wohl hier die Bekannten vom Umweltverband sagen würden. Aber schon nähert sich das Dampfross. Das Handy im Anschlag donnert der Dampfzug an Dir vorbei. Den Kohlestaub in der Luft atmest Du tief ein. Wie sagte einmal eine Reiseteilnehmerin? „Hmmmh, das ist besser als Kokain!“

Na also, und dazu billiger, gesünder und schon gar nicht strafbar!

Doch die Dampflokzeit hat einen Feind: Nein, nicht die Umwelt oder das CO2, sondern die moderne Technik. Immer mehr Bahnstrecken werden modernisiert, was natürlich eine tolle Sache für den normalen Bahnverkehr ist. Daran gibt es auch überhaupt nichts auszusetzen, denn es sollen auch immer mehr Menschen komfortabel und schnell ans Ziel kommen. Mit einem Dampfzug ist das natürlich nicht mehr möglich. Aber aufgrund der modernen Technik können Dampfzüge kaum noch oder nur unter hohen finanziellen Einsatz auf Hauptstrecken rollen, auf denen auch Regelverkehr herrscht. Das gilt natürlich für alle historischen Fahrzeige auf Schienen, egal ob Dampf, Diesel oder historische Elektrofahrzeuge.

Umso wichtiger ist es diese technischen Denkmäler zu erhalten. Die meisten Vereine, die sich darum kümmern sind leider nicht in England zu Hause. Dort gibt es Museumsbahnen mit 3000 Mitglieder, wo 300 aktiv mitarbeiten! Im Rest-Europa ist das wohl kaum der Fall. Hier schuften 10 – 30 aktive Mitarbeiter ehrenamtlich, damit der historische Verkehr überhaupt erhalten bleibt.

Mit jeder Sonderfahrt, die wir unternehmen, kommt immerhin etwas Geld in die Vereinskassen. Jedes Mal, wenn ich mit Reisegruppen unterwegs bin und in die leuchtenden Augen der Reiseteilnehmer schauen darf, wenn der Dampfzug oder das Krokodil vorfährt, dann weiß ich, dass es um mehr geht, als nur um ein Hobby. Es ist eine wichtige Aufgabe historische Fahrzeuge als technische Denkmäler der Nachwelt zu erhalten. Nur so können auch noch unsere Enkel einmal plötzlich aufhorchen und um sich blicken, wenn in 50 oder 100 Jahren noch eine Dampflok beim Spazierengehen vorbeirauscht.

Und ganz schnell werden sie sagen: Da will ich auch mal mitfahren.

Klar ist es nicht wünschenswert in Zukunft wieder Dampfloks einzusetzen. Es geht hierbei auch nicht um ein Fortbewegungsmittel, sondern um technische Denkmäler. Aber gerade durch solche Sonderfahrten kommt der ein oder die andere auch auf die Idee, und sei es durch den Wunsch der Kinder, beim nächsten Ausflug oder Urlaub mal den Zug anstatt das Auto zu benutzen. Denn eines ist erwiesen: Das beste elektrische und umweltfreundlichste Verkehrsmittel ist die elektrische Bahn. Da können noch soviele E-Autos auf den Straßen rollen oder LKWs unter den Fahrdraht gesetzt werden.

Da schon lieber den öffentlichen Nahverkehr ausbauen, das Schienennetz erneuern und Inlandsflüge sowie innereuropäische Kurzstreckenflüge einstellen oder deutlich verteuern.

Dann können wir auch weiterhin entspannte Bahnreisen erleben. Ganz nach dem früheren Bahnmotto: Urlaub von Anfang an.

Vielleicht wächst dann ein weiterer Nachkomme dieser speziellen Spezies des „homo ferrovia“ heran.

Kontakt

Bahnreisen Sutter
Adlerweg 2
79856 Hinterzarten